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Coaching-Expertin

syl fragt:

„Worauf bist Du stolz?“

An einem dieser schon recht milden Februartage erreiche ich um die Mittagszeit den Josef-Kainz-Park im 18. Bezirk in Wien. Dieser Park ist eigentlich nur eine winzige Grünfläche im Gegensatz zu seinem großen Bruder, dem gegenüberliegenden Türkenschanzpark, aber er ist ein guter Treffpunkt wegen Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten. Ich habe meinen Rucksack dabei. Darin befinden sich ein Heißgetränk, eine Wasserflasche, Trinkbecher und andere Utensilien, die ich brauchen könnte.

Ich treffe Frau Brigitte S. bei der Bronzestatue des Burgschauspielers Joseph Kainz, der vor über 120 Jahren in Wien lebte und u.a. als Hamlet und Mephisto am Burgtheater auftrat. Brigitte ist pünktlich gekommen und scheint ein wenig aufgeregt. Ich schätze sie auf Mitte vierzig. Sie gibt zu, dass sie noch nie ein Coaching in Anspruch genommen habe. Sie fand jedoch die Idee sich im Park zu treffen ansprechend und wolle sich jetzt überraschen lassen.

Wir kommen ins Gespräch und ich stelle ihr ein paar Fragen. Ich sage ihr wie ein Coaching ablaufen könnte und wir nehmen uns jetzt den Türkenschanzpark vor und überqueren die Hasenauerstraße. Es sind wenig Leute unterwegs. Brigitte hat vor ein paar Monaten ihre Arbeit verloren, sie war angestellt, sie möchte nochmals von vorne beginnen. Sie hat viele Erfahrungen gesammelt und sie ist gut vernetzt. Sie sei sich nicht im Klaren wie sie es angehen soll.

Mir kommt eine mentale Übung in den Sinn – sie nennt sich „Zielspaziergang“ –  und ich lade Brigitte dazu ein. Sie nickt und zieht los. Eine halbe Stunde ist sie nun allein im Park unterwegs, ganz mit sich selbst. Beim meditativen Spazieren soll sie sich immer wieder die Frage stellen: „Was ist mein Ziel?“ Dabei geht es nicht unbedingt darum eine Antwort zu finden, als vielmehr sich konzentriert auf diese Frage zu besinnen und die Natur rundherum wahrzunehmen. Ich habe ihr aufgetragen einen Gegenstand zu finden, den sie mit ihrem Ziel verbinden könnte. Das kann ein Stein, ein Blatt, eine Wurzel, ein Stück Rinde uvm. sein.

Nach ca. 25min sehe ich Brigitte aus der Ferne näher kommen. Sie winkt mir zu. Ich habe an einem der verlassenen Tische in der Meierei 2 Becher aufgestellt und schenke uns jetzt einen heißen Tee ein. Grinsend und irgendwie stolz präsentiert mir Brigitte ihren Fund. Es ist ein kleiner abgebrochener Zweig, der schon zart und ansatzweise winzig kleine Blattknospen trägt. Sie legt ihn vorsichtig auf den Tisch und nimmt einen großen Schluck. Sie wirkt entspannt, irgendwie gelöst.

Jetzt leite ich sie an, den Zweig zu betrachten, aus bestimmten Richtungen, aus unterschiedlichen Perspektiven. Aus diesen Blickwinkeln soll sie Symbole, Worte finden,  wie es sich für sie anfühlt. Ich schreibe alles auf, was ihr in den Sinn kommt.

Später fasst Brigitte in einem Satz zusammen, was das Wichtigste für sie in Bezug auf die ursprüngliche Frage: „Was ist mein Ziel?“ ist, welche Erkenntnis sie über das Ziel gewonnen hat und ich staune, bin zugleich berührt, was herauskommt.

So vergeht eine Stunde sehr schnell. Brigitte nimmt ihren Zweig samt Formulierung mit nach Hause. Ich empfehle ihr beides, Zweig und Satz, bei sich so zu platzieren, dass sie täglich daran erinnert wird, wie sie ihrem Ziel näher kommen kann.

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