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Coaching-Expertin

syl fragt:

„Was gehört zur Morgenroutine?“

Draußen zwitschern frühmorgens die Vögel dem bevorstehenden Frühling entgegen. Erwartungen sprießen, wachsen, werden größer. Wenn eine erfüllt wird, dann tausche ich meinen Daunenmantel gegen einen Trenchcoat und würde dann irgendwann bemerken, dass auch die Kinder auf ihrem Schulweg keine Anoraks mehr tragen.

Oft ist der morgendliche Hundespaziergang, der erste Grund, der mich ins Freie zwingt. Wenn ich faul bin, dann mache ich nur eine Runde um die Häuser, an Vorgärten, Einfahrten und Parkmauern entlang. Ich sehe die Kinder und Jugendlichen aus allen Richtungen in die Schule strömen. Die einen hetzen, die anderen schlendern, sie plaudern oder sind ganz in sich versunken.

Ich mag das – in solchen Morgenmomenten – diesen Kindern meine Gedanken schenken, an ihre erste Schulstunde, an den Vormittag, an ihr Schuljahr und ihre Zukunft. Möge ihnen auch an diesem Tag Verbindung gelingen. Verbindung zu und mit sich selbst, aber genauso mit den Menschen, mit denen sie zu tun haben und mit der Materie, die sie besprechen und mit der sie sich auseinandersetzen sollen.

Immer dann poppt bei mir eine Szene aus meiner Schulzeit auf. Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat. Knapp, aber bestimmt habe ich mich als 14-jährige erstmals aus meinem Kokon gewagt, an ihm gekratzt, herausgelugt und gerufen: „Das war jetzt aber gemein!“ Mein Lieblingslehrer hatte meinem Lieblingsmitschüler ins Gesicht gesagt, wie froh er sei, dass er die Schule wechsle und er ihn in der Oberstufe nicht mehr unterrichten müsse.

Ich verkroch mich sofort wieder in meine innere Welt, machte mich klein in der hintersten Bankreihe und war mir nicht sicher, ob irgendjemand wusste, wem diese Stimme gehörte hatte.

Ich weiß aber bis heute, dass das der Auslöser war zur Verbindung mit mir selbst. Ich hatte mir selbst Respekt und Anerkennung geschenkt. In der nächsten Schulstunde hatte sich mein Lieblingslehrer vor der ganzen Klasse bei meinem Lieblingsmitschüler entschuldigt.

Ich hoffe sehr, dass mein Schulfreund ein gutes Leben hat. Ich sehe ihn jetzt noch vorne sitzen in Hemd und Pullunder. Ich wüsste nicht, ob ich ihn heute auf der Straße wiedererkennen würde.

Nach der Hunderunde, komme ich nach Hause und suche mir einen Sticker und wasserfesten Stift. Ich beschrifte ihn und eile nochmals hinaus zur Türglocke, wo jetzt darunter steht: „Ich vermisse Euch, bitte läutet wieder!“

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